Was tun, wenn der Urlaub vorbei ist?

Ignatianische Tipps zum Übergang vom Urlaub in den Alltag

Zu unserem Leben gehören Übergänge, z. B. der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule, der Übergang von einem Wohnort an einen anderen, der Übergang von der Arbeit zur Rente und schließlich der Übergang vom Leben zum Tod.

Ein Übergang ist auch immer wieder der Wechsel vom Urlaub in den Arbeitsalltag. So wie bei den anderen Übergängen im Leben fällt manchen dieser Wechsel leichter anderen schwerer.

Aus der Ignatianischen Spiritualität ergeben sich m. E. ein paar hilfreiche Anregungen für den Übergang vom Urlaub in den Alltag. Ein Kernstück der Ignatianischen Spiritualität ist die Unterscheidung der Geister. Dabei geht es nicht um irgendwelche Gespenster, sondern um innere Regungen (mociones). Ignatius meint damit die Gedanken, Gefühle, Impulse oder Stimmungen, die uns bewegen.

Zunächst gilt es, die inneren Regungen, Stimmungen, Gedanken und Empfindungen unvoreingenommen wahrzunehmen und zuzulassen ohne zu werten. Wenn ich nach einem schönen Urlaub wieder in den Alltag zurückkehre, kann das unterschiedliche Empfindungen hervorrufen, wie z. B. Unlust, Widerwillen oder auch Vorfreude auf das, was mich erwartet. Einfach wahrnehmen, was ist. Es ist, was es ist, und darf sein, was es ist.

In einem nächsten Schritt kann es hilfreich sein zu unterscheiden: In welche Richtung führen mich die inneren Regungen, in Richtung Motivationslosigkeit, zu einer Rückwärtsgewandtheit oder zu einem hoffnungsfrohen Schauen auf das, was vor mir liegt. Ich kann nach einem Urlaub noch einmal in Dankbarkeit auf das Erlebte schauen vielleicht auch anhand der Fotos, die ich gemacht habe, aber dann ist es gut, nach vorne zu schauen. Und deshalb ist der dritte Punkt wichtig.

Wir haben die Möglichkeit zu wählen, auch nach einem Urlaub. Ich kann mich dafür entscheiden, in der Vergangenheit zu schwelgen oder mir zu sagen: Der Urlaub war schön und erholsam: Ich habe viel gesehen und erlebt. Und nun wende ich mich wieder dem Alltag zu.

Es kann und darf sein, dass ich noch ein paar Tage brauche, um in den gewohnten Rhythmus hineinzukommen. Dazu kann es hilfreich sein, die Dinge langsam anzugehen, nicht zu meinen, ich müsste alles Unerledigte gleich auf einmal erledigen.

Urlaub und Alltag sind zwei „verschiedene paar Schuhe“. Vielleicht kann ich aber etwas vom Urlaub mit in den Alltag hineinnehmen, z. B. das Innehalten und das Zurückschauen auf das, was war und Vorausschauen auf das, was vor mir liegt im Sinne des Dreischritts, der bei Wanderungen und Bergtouren hilfreich ist: Rhythmus – Pause – Atemholen.

Oder so, wie es Michael Ende in seinem Buch „Momo“ von Beppo dem Straßenkehrer sagt: Beppo liebte die Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit. Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig:
Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter: Schritt – Atemzug – Besenstrich.

Anm.: Die Grafiken dieses Beitrags hat die zentraleuropäische Provinz der Jesuiten erstellt und auf facebook veröffentlicht.

Haus Hoheneichen
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